„Ich träume so fern dieser Erde“

"Ich träume so fern dieser Erde"

Lesung von Katharina Gun Oehlert und Karola Pasquay, Klang

07.11.2019 | 19.30 - 20.30 Uhr
Eintritt: Eintrittskarten zum Preis von 13,50 Euro sind eine halbe Stunde vor Veranstaltungsbeginn an der Abendkasse erhältlich.

 

2012 1 28 Pasquay OehlertBei der diesjährigen Veranstaltung zum Gedenken an die Reichspogromnacht, werden Katharina Gun Oehlert (Lesung) und Karola Pasquay (Musik) an die großen Dichterin Else Lasker-Schüler, die vor 150 Jahren in Wuppertal geboren wurde, und 1945 in Jerusalem starb, erinnern. Die Lesung, die in Kooperation vom Kulturamt der Stadt Hilden und dem Wilhelm-Fabry-Museum präsentiert wird, findet am Donnerstag, 7. November um 19.30 Uhr im Fassraum des Wilhelm-Fabry-Museums, Benrather Straße 32a, statt.

Ich träume so fern dieser Erde ist ein Programm, das eine Auswahl an Gedichten in Klangräume einbettet, die eigens für diesen Abend entstanden sind. Die Lyrik der Else Lasker-Schüler klingt weiter in den Improvisationen und Klangcollagen, die abstrakt und zurückhaltend angelegt sind. Das Credo ihrer Gedichte ist die Allmacht der Liebe, aber auch die Forderung nach persönlicher Freiheit, und somit ist auch dieser Abend mit Katharina Gun Oehlert, Lesung, und Karola Pasquay, Klang, dem Gedenken an die Reichspogromnacht am 9. November1938 gewidmet.

„Ich sterbe im Leben und atme im Bilde wieder auf.“

Else Lasker Schüler, von Karl Krauss als die stärkste und unwegsamste lyrische Erscheinung seiner Zeit bezeichnet, lebte ihr ganzes Leben mit dem Gefühl der Heimatlosigkeit. Unangepasst im Denken und im Umgang mit ihrer Umwelt, extravagant gekleidet, kompromisslos in ihrer Leidenschaft und grenzenloser Liebessehnsucht, aber auch in ihrer Ablehnung jeglicher bürgerlicher Konventionen, erfand sie immer wieder Räume und Personen, in die sie schlüpfte, um sich zu schützen. In Briefen und Dichtung erschien sie als der Prinz von Theben, Thilo von Bagdad, der Indianer, der Malek oder Joseph von Ägypten. Als alleinerziehende Mutter und mehrfach geschiedene Frau in schwierigen Lebensverhältnissen musste sie stets um soziale Gleichberechtigung für sich und andere ringen.

Ihr Leben wurde immer wieder erschüttert durch die politischen Umstände, sie erlebte den ersten Weltkrieg und mit ihm den Tod vieler ihr nahestehenden Menschen. Politisch äußerst wach, sah sie das Unheilbringende des nationalsozialistischen Regimes voraus. Als sie 1933 Opfer von brutaler Gewalt in Berlin wurde, flüchtete die Jüdin in die Schweiz, deren politische Führung ihr mit Unverstand und Ignoranz begegnete und die Dichterin mit Berufsverbot und allerlei Schikanen belegte. Mehrere Male reiste Else Lasker-Schüler für kürzere Zeit nach Palästina, wollte aber immer wieder in die Schweiz zurückkehren, da sie dort Freunde und Förderer gefunden hatte. Das dritte Mal erhielt sie keine Einreisegenehmigung mehr und sie war gezwungen, für immer in Jerusalem zu bleiben, wo sie 1945 sehr verarmt und einsam starb.

Else Lasker-Schüler pflegte intensiven Kontakt zu vielen Intellektuellen, wie Erich Mühsam, Alfred Döblin, Richard Dehmel, Franz Werfel, Max Brod, Karl Kraus und Gottfried Benn. Mit Franz Marc verband sie eine sehr intensive Künstlerfreundschaft, deren Briefwechsel mit vielen Postkarten, die von beiden mit Illustrationen versehen waren, erhalten ist: Zeugnis ihrer großen malerischen Begabung.

Das Thema Sehnsucht, Einsamkeit und Fremd-Sein umkreist immer wieder ihre Lyrik. Wie ihr größtes Thema: die Liebe, und die unerfüllte Sehnsucht danach. In ihren letzten Gedichten sind Bitterkeit und Wehmut zu spüren, aber auch immer wieder dieser Funken Licht, wie das Blau, das sie so liebte. Die Erlösung, der Zauber jenseits der Dinge . . .

Ein Raum in Wort und Klang
Katharina Gun Oehlert liest eine Auswahl der Gedichte. Karola Pasquay ist für die musikalische Ebene verantwortlich. Ohne illustrieren zu wollen, setzt sie in der Sprache zeitgenössischer Musik in Improvisationen und Klangcollagen Akzente. Beide Künstlerinnen arbeiten seit etlichen Jahren zusammen und haben viele gemeinsame Abende im Gedenken an jüdische Dichterinnen und Dichter gestaltet, die von der Presse als atmosphärisch berührend und beeindruckend gelobt wurden.

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