Slow Motion – Langzeitstudien

Konzert und Ausstellungseröffnung

am 29.11.2018

19.30 Uhr – 20.30 Uhr: Konzert mit Partita Radicale, Musik - Florian Zeeh, Video

20.30 Uhr: Eröffnung mit Grußworten von Bürgermeisterin Birgit Alkenings und einer Einführung in die Ausstellung von Dr. Sandra Abend

Der Eintritt ist kostenfrei.


2018 11 29 langzeit kreuzungHinter „Slow Motion – Langzeitstudien“ verbirgt sich ein interaktives Medienprojekt, zu dem sich die Künstlergruppe Les Amis und das Ensemble für zeitgenössische und improvisierte Musik Partita Radicale zusammengefunden haben. Partita Radicale nimmt gemeinsam mit dem Medienkünstler Florian Zeeh in vier Langzeitstudien Phänomene der minimalen Bewegungen des Prozesshaften unter die Lupe. Zusammen begleiten sie die Eröffnung einer Ausstellung im Wilhelm-Fabry-Museum, die Arbeiten der Künstler*innen Ike Vogt, Harald Hilscher und Uwe Kampf zeigt.

Es ist ein vor allem auch akustisch wahrnehmbarer Auftakt, der seinen optischen Widerhall im Raumkonzept von Les Amis findet. Die Kunstformation Les Amis entstand 2017 durch die enge Freundschaft der drei bildenden Künstler, die sich bereits seit den 1970er Jahren kennen. So wie in Musik und Film, aber auch in der Literatur findet sich das Prozesshafte in ihren Werken wieder. Sie spannen mit ihren Arbeiten mal grafisch und installativ, mal bildhauerisch den Raum auf und setzen Bezüge zu ihm.

Es entsteht ein vielschichtiges, vernetztes Gesamtkunstwerk, in dem die Handschrift des Einzelnen immer noch wahrnehmbar bleibt. Ike Vogt hat mit Installationen begonnen, in die sie globale Alltagsgegenstände integriert. Seit 2000 widmet sie sich zudem verstärkt dem Zeichnen und Schreiben. Sie transportiert über ihre Werke Kurzgeschichten, die von Begegnungen mit Menschen zeugen.

Harald Hilscher inspirieren Texturen, die aus unserer Lebenswelt entlehnt sind und aus historischen Illustrationen oder Zeichnungen stammen. Minutiös setzt er vorgefundene Muster und Strukturen in ihrer Vervielfältigung zu etwas Neuem zusammen. Oft sind es interaktive Objekte, die berührt werden wollen, um dann einen Sound zu erzeugen. Sie sprechen die Sinne an und verlassen die Zweidimensionalität. Uwe Kampfs Medium ist das Metall, ausgegangen ist er vom Cortenstahl, ein Material, das sich selbst durch eine Rostschicht vor weiterer Korrosion schützt. Und auch bei ihm sind es die raumgreifenden Elemente, die in seiner Objektgestaltung elementar sind, in denen er Verknüpfungen zur umgebenden Architektur herstellt.

Die Langzeitstudien begründen sich vor allem auch aus der Beständigkeit einer freundschaftlich verbundenen Künstlergruppe, die vornehmlich geprägt ist durch das sinnliche, kulturelle Erleben, zu dem auch der Genuss des gemeinsamen Kochens und Essens gehört. Ein ganzheitliches Konzept, dessen Resultate sich nun in einer bezugsreichen Präsentation vereinen, die Denkanstöße über den Wandel der Dinge in Zeit und Raum geben.

„Slow Motion – Langzeitstudien“ -
Das Quartett Partita Radicale spielt ein einstündiges Konzert 

2018 11 29 PartitaRadicalePartita Radicale arbeitet seit je her im Zwischenbereich von Komposition und Improvisation. Mit dem Projekt „Slow Motion – Langzeitstudien“ lotet das Quartett, bestehend aus Gunda Gottschalk (Violine), Ortrud Kegel (Querflöte), Karola Pasquay (Querflöte) und Ute Völker (Akkordeon), diesen Bereich auf ganz neue Weise aus. Während die Musik bei der Freien Improvisation häufig von schnellen Wechseln und dem blitzschnellen Reagieren auf die musikalischen Impulse der Anderen lebt, nehmen sich die Musikerinnen in diesem Projekt Zeit, langsame, von minimalen Veränderungen geprägte Prozesse abzubilden.

Auf der Grundlage zuvor festgelegter Instrumentierung und der Konzentration auf jeweils ein Stilelement entstehen vier „Langzeitstudien“, die im Prinzip zeitlich unbegrenzt im Prozess musikalischer Improvisation fortzuführen wären: Slow Motion, Urban Silence, White Landscape und High End.

Dabei lassen sie sich von der Vorstellung verschiedener, langsam ablaufender Veränderungsprozesse in der Natur oder auch im urbanen Raum leiten. Wasserfließen oder Wolkenzug können ebenso Inspiration sein wie der langsame Verfall eines Gebäudes. Ob in der Hektik urbaner Lebensräume oder in der scheinbaren Stille auf dem Land: Keine Sekunde gleicht der anderen, auf eine Bewegung folgt die nächste, jeder scheinbare Moment von Stillstand ist Vorbereitung für die nächste Aktion. Als permanent in diese Prozesse Verstrickte nehmen wir die stete Veränderung jedoch allenfalls in ihren Ergebnissen, nicht aber im Moment selbst war.

Erst im Innehalten und Heraustreten aus der Situation werden diese unablässig ablaufenden Prozesse bewusst wahrnehmbar. Indem die Musikerinnen in den „Langzeitstudien“ minimalste Entwicklungen und Veränderungen selbst zum Thema machen, eröffnen sie den Zuhörenden den Raum, diese wahrzunehmen und zu verfolgen.

Die Ausstellung wird bis zum 20. Januar 2019 präsentiert.

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