Von Mäusen und Menschen

Kategorien: Vortrag

Tierversuche aus Sicht der Tierethik

Vortrag von Prof. Dr. Dr. h. c. Dieter Birnbacher, Institut für Philosophie, Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf

19.03.2020 | 19.30 - 21.00 Uhr
Eintritt: 5,00 Euro, ermäßigt 2,50 Euro

2020 03 19 BirnbacherIn Deutschland ist im Jahr 2018 an mehr als zwei Millionen Tieren geforscht worden. Der Löwenanteil davon, 1,37 Millionen, entfällt auf Mäuse. Diese Zahlen sorgen immer wieder für Kontroversen – in der Ethik wie in der Politik. Die Debatte um die Zulässigkeit und die Grenzen von wissenschaftlichen Tierversuchen ist allerdings keine neue Debatte. Sie wird spätestens seit dem 17. Jahrhundert geführt. In der europäischen Ethik wurde bis ins 19. Jahrhundert hinein dem Menschen nicht nur eine Sonderstellung, sondern eine Alleinstellung als Gegenstand moralischer Berücksichtigungswürdigkeit zugewiesen.
Inzwischen gelten leidensfähige Tiere als um ihrer selbst willen schützenswert. Selbst in das in Deutschland geltende und vom Anthropozentrismus Kants inspirierte Grundgesetz ist im Jahr 2002 in Art. 20a der Schutz der Tiere aufgenommen worden. Bisher hat sich die rechtliche Aufwertung des Tierschutzes allerdings nur geringfügig auf das in der Praxis geforderte Schutzniveau ausgewirkt. Das Staatsziel Tierschutz koexistiert weiterhin mit Praktiken, die unter Tierschutzaspekten als problematisch gelten müssen: der vielfach tierquälerischen Aufzucht, Haltung, Transportierung und Schlachtung von hochgradig empfindlichen Säugetieren in der Fleischproduktion, der mangelnden Kontrolle von Qualzüchtungen bei Heimtieren und der übermäßig forschungs-freundlichen Umsetzung der EU-Tierversuchsrichtlinie in die nationale Gesetzgebung.

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