Die Geschichte von Flüchtlingen und Vertriebenen und Gastarbeitern steht im Mittelpunkt des heutigen „Tag der Archive" im Stadtarchiv.
6000 Kartons mit Schriftstücken schlummern im Magazin.

aus Rheinische Post vom 1. März 2008 von Uli Schmidt

 


2008-03-01-archivtagDr. Wolfgang Antweiler, Leiter des Hildener Stadtarchivs, zeigt Firmenkorrespondenz aus dem Jahre 1907. Am heutigen „Tag der Archive" hofft er auf Besucher, die Unterlagen zum Thema „Heimat und Fremde" mitbringen. Foto: Staschik Lichtdurchflutete Räume, modernes Mobiliar, Hightech-Geräte: Das Stadtarchiv im ehemaligen „Würfel" hinter dem Alten Helmholtz braucht sich nicht zu verstecken am heutigen „Tag der Archive". „Heimat und Fremde" lautet das Thema, das Jugendliche des Schulzentrums an der Gerresheimer Strasse unter Anleitung von Sozialpädagogin Tanja Leberer und Dr. Andrea zur Nieden vorbereitet haben. Seit Wochen haben sie sich mit der Geschichte von Flüchtlingen und Vertriebenen aus deutschen Ostgebieten, mit türkischen Gastarbeitern und Spätaussiedlern aus der ehemaligen Sowjetunion beschäftigt. Was haben diese Menschen erlebt? Wie leben sie heute in Hilden? „Wir würden uns sehr freuen, wenn an diesem Tag Menschen mit Erinnerungen, Fotos und Dokumenten zu uns kämen."

Für Dr. Wolfgang Antweiler, Leiter des Stadtarchivs, ist der „Tag der Archive" willkommene Gelegenheit, das „Gedächtnis der Stadt" zu präsentieren. Wer weiß schon, dass im Keller-Magazin über 6000 Kartons mit Schriftstücken aus dem Rathaus verwahrt werden. „Zwischen sieben bis zu 30 Jahren ist die Archivierung bestimmter Akten Pflicht", erklärt Antweiler und dreht ganz mühelos am Rad eines der sieben Meter langen und fast drei Meter hohen Roll-Regale.

Nicht nur wichtige Verträge oder Adoptionsunterlagen werden archiviert. Im blitzblanken Untergrund des Stadtarchivs ruhen auch Hildens historische Schätze: Handgeschriebene Schulchroniken genauso wie Ratsprotokolle aus dem 19. Jahrhundert, Unterlagen über erste Firmengründungen und Vereinsstatuten. Aber auch Aufzeichnungen über die Pogrom-Nacht und ihre sechs Opfer. Nicht zu vergessen die Karteikarten von über 3000 Zwangsarbeitern. „Als das Thema in die Öffentlichkeit rückte, konnten wir innerhalb eines Tages Auskunft geben", bestätigt Dr. Antweiler. Dabei richtet sich der Blick des Archivars immer nach vorn: Was wird in Zukunft an Historie gebraucht? Vielleicht das Zeugnis für Bürgermeister Albert Koennecke aus dem Jahr 1865, der Hilden zur Stadt erhob?

Dokumentierte Geschichte kostet jeden Einwohner genau 4,66 Euro pro Jahr, einschließlich der Miete der Räume, die an die Stadtwerke fließt. Dafür können Hildens Bürger jederzeit auf ihr Archiv zurückgreifen. Ob Einsicht in Original-Dokumente oder Recherche zu Vereins- oder Firmengeschichte. Für Schülern oder Senioren - das Stadtarchiv ist öffentlich.

Und auch wenn mittels moderner Mikro-Film-Technik und Scannern für Großformate Altes kopiert werden kann, freuen sich der Stadtarchivar und seine drei Mitarbeiter immer über Zeitdokumente: Pläne, Bilder, Festschriften oder Fahrscheine - für die Geschichtsschreibung von Morgen.

Um unsere Webseite für Sie optimal zu gestalten und fortlaufend verbessern zu können, verwenden wir Cookies. Durch die weitere Nutzung der Webseite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu.
Weitere Informationen Ok