Architektur-Wettbewerb der Stadt

Andreas Patermann entschied den Architektur-Wettbewerb der Stadt für sich. Er plante seinen dreigeschossigen Neubau und eine Kunstachse zum Kinderatelier in einem Skulpturengarten.
aus: RP vom 13.09.2008 von D. Schmidt-Elmendorf

patermann02Andreas Patermann (28) bekam für seinen Entwurf des neuen Wilhelm-Fabry-Museums den ersten Preis. Foto: StaschikDen Besucher umfängt Dunkelheit, als er den Ausstellungsraum betritt. Die einzige Lichtquelle sind die kleinen Halogenstrahler, die die chirurgischen Werkzeuge beleuchten. Bei der Betrachtung des frühneuzeitlichen Operationsbestecks ertönt ein OP-Bericht des 17. Jahrhunderts, etwa über die Amputation eines Armes im Schultergelenk, aus dem Off. Derart dramatisch würde Andreas Patermann die medizinhistorische Ausstellung des Wilhelm-Fabry-Museums inszenieren - wenn sein Entwurf denn umgesetzt würde.

Gestern wurde der 28-Jährige erst einmal für seine Ausarbeitung mit dem ersten Preis des von Stadt und Museumsleitung ausgelobten Architektur-Wettbewerbs geehrt. Die Aufgabe bestand darin, durch Um- und Neubauten mehr Platz zu schaffen: für die museumseigene Sammlung, für Sonderausstellungen und die Präsentation der Werke der Kinder- und Jugendartothek und für ein Kinderatelier. Als „äußerst schwierig und spannend“ bezeichnete der betreuende Professor, Dierk van den Hövel, die Aufgabe angesichts der engen Grundstücksgrenzen und der Hinterhoflage. Alle Diplomanden hätten hochwertig und umsetzbare Arbeiten abgeliefert. Und dass die Arbeiten keine Trockenübung seien, die in einer Schublade vergessen werden würden, betonte Bürgermeister Günter Scheib. Der neue Museumsbau solle den Impuls für die Entwicklung der nördlichen Unterstadt geben. Daher müssten diese Ideen jetzt der Politik vorgestellt werden. Kulturdezernent Reinhard Gatzke ging einen Schritt weiter: Ein attraktives Museum könne dazu beitragen, Hilden als „modernen Bildungs- und Wissensstandort“ darzustellen. Die Verwaltung werde auf Grundlage der Ergebnisse einen städtebaulichen Entwurf ausarbeiten.

Für die Jury war daher auch „die besondere Tiefe, mit der Wettbewerbssieger Patermann an die Aufgabenstellung heranging“, ausschlaggebend, erklärte van den Hövel. Er habe „sein“ Museum durchgehend bis zu den Ausstellungsvitrinen designt. Inspiriert haben ihn dabei die Museen in Neuseeland, wo Alltagsgegenstände so „toll inszeniert“ seien. Durch seine Arbeit im Stadtmuseum Düsseldorf habe er Alltagskenntnisse.

Patermann hat auf den Grundmauern des alten Museums einen dreistöckigen voll unterkellerten Neubau geplant, der im Erdgeschoss die ständige Sammlung aufnehmen und im Obergeschoss Raum für Sonderausstellungen bieten soll. Die Verbindung zwischen Museumsbau und Kornbrennerei stellt ein gläsernes Bauwerk dar, das sich dann über der jetzigen Zufahrt zum Garagenhof erheben soll. Diese Zufahrt müsste nach Westen verlegt werden, auch die dem Museum vorgelagerten Garagen empfindet er als unvereinbar mit der Zielrichtung Attraktivität.

Fernab vom Museumbetrieb möchte er das Kinderatelier auf dem Areal des griechischen Clubs unterbringen, der über einen Fußweg mit dem Kesselhaus der Kornbrennerei verbunden würde. Das Gartengelände würde er in einen Skulpturengarten verwandeln und so „eine Kunstachse“ schaffen.


Kommentar

Würdiger Rahmen für Vermarktung

Das Wilhelm-Fabry-Museum führt derzeit ein introvertiertes Hinterhofdasein in trister Umgebung. Es hat noch nicht einmal den Platz, um seine Schätze zu zeigen, muss sie die meiste Zeit im Magazin verbergen. Das ist gleichsam gegen seine Natur. Wenn also die Stadt Hilden die Erinnerung an ihren berühmtesten Sohn mit einem attraktiven und lehrreichen Ort wach halten will, muss sie viel Geld in die Hand nehmen. Es müssten ja zwangsläufig zwei neue Gebäude entstehen, um das umfangreiche Raumprogramm zu erfüllen. Am Ende aber - ein spannendes Museumskonzept vorausgesetzt - hätte sie den gebotenen würdigen Rahmen, um den Namen Fabry erfolgreich zu vermarkten.

von D. Schmidt-Elmendorf

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