Themenausstellungen des Wilhelm-Fabry-Museums

Die Themenausstellungen des Wilhelm-Fabry-Museums erfreuen sich großer Beliebtheit, weit über regionale Grenzen hinaus. Ab Sonntag wird die Reihe mit der Schau „Schmerz - Bilder vom Menschen“ fortgesetzt.
aus RP vom 16.10.2008 von Barbara Steingiesser

2008schmerz02Das Wilhelm-Fabry-Museum lädt zur Themenausstellung „Schmerz - Bilder vom Menschen“ ein. Dr. Wolfgang Antweiler und Dr. Sandra Abend an einer Arbeit von Urban Stark mit dem Titel „Kopfschmerz“. Foto: Olaf StaschikAls das Wilhelm-Fabry-Museum 1999 mit „Hallo mein Herz“ seine erste Themenausstellung veranstaltete, blickte Museumsleiter Dr. Wolfgang Antweiler bereits voraus. Er kündigte an, dass es irgendwann einmal eine Ausstellung geben werde, die sich mit dem Wort befasst, das sich auf „Herz“ so trefflich reimt. Jetzt ist es soweit. Die sechste Schau der Reihe, die am kommenden Sonntag eröffnet wird, trägt den Titel „Schmerz - Bilder vom Menschen“.

 


„Sicher ist jedenfalls, dass schon in den ältesten deutschen Dichtungen, in den Epen des neunten Jahrhunderts, auf ,Herz’ ,Schmerz’ gereimt wurde, und dass diesem Schmerz nicht die Ärzte ihre Einkünfte verdankten, sondern die Literaten.“ Das schrieb - daran erinnert der Katalog - Marcel Reich-Ranicki. Doch wer durch die Ausstellung geht, der sieht, dass auch die bildenden Künstler auf dem Gebiet des Schmerzes - sowohl des physischen als auch des psychischen - Spezialisten sind.

Aus fast 700 Arbeiten von 353 Bewerbern aus ganz Deutschland hat die Jury 63 ausgewählt, darunter Gemälde, Grafiken, Collagen, Fotografien, Skulpturen und Installationen, die dem neurophysiologischen Phänomen Schmerz auf unterschiedlichste Weise zu Leibe rücken. Im Wortsinn beklemmend wie Urban Stark, bei dessen Skupltur „Kopfschmerz“ der Kopf in einer Zwinge steckt, humorvoll wie Juliane Grünthal, die einem Menschlein mit Hexenschuss eine schwarze Katze auf den Buckel setzt, mit Worten wie Sabine Schellin („Schmerz - aua!!!“), Symbolen wie Marlies Blücher („Schrei Variation“) oder christlicher Ikonografie wie Volker Kurz („Ein Schmerzensmann“).

Durch kluge Anordnung der Objekte werden die künstlerischen Positionen miteinander in Beziehung gesetzt, etwa der Phantomschmerz nach einer Amputation mit dem Schmerz nach dem Verlust eines geliebten Menschen.

Die schaurig-schöne Ausstellung spart auch Themen wie Katastrophe, Krieg und Konzentrationslager, Misshandlung, Folter und Zwangsbeschneidung nicht aus. Sie packt den Besucher da, wo er empfindlich ist, bei der nackten Angst, bei am eigenen Leibe erfahrenen Qualen und auch beim Mitleid.

So tut es gut, dass die Kunsthistorikerin Dr. Sandra Abend im Katalog auf ein Epikur-Zitat verweist: „Die Seele kann ins Vergangene zurück- und ins Zukünftige vorausblicken; so kann sie gegen momentane Schmerzen vergangene Freuden erinnern und zukünftige herbeisehnen.“

 

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