Auch die Kultur hat Einfluss auf das Schmerzempfinden

Weiß gedeckte Tische mit Kaffee, Tellern mit Gebäck und Wasser im historischen Fassraum des Wilhelm-Fabry-Museums. Das war der äußere Rahmen des 8. „Kulturcafés“, das am Samstag dem Thema: „Schmerzwandel in der Kunst?“ gewidmet war.

aus: Rheinische Post vom 26.01.2009 von Uli Schmidt.

 

8kulturcafeIngetraut Stein und Dr. Khosro Niknafs waren zu Gast beim Kunstcafé im Wilhelm-Fabry-Museum. Thema war: Schmerzwandel in der Kunst? Foto: StaschikMuseumsleiter Dr. Wolfgang Antweiler und Dr. Sandra Abend hatten die Künstlerin Ingetraut Stein und den hiesigen Facharzt für Allgemeinmedizin und Anästhesiologie, Dr. Khosro Niknafs, eingeladen, zusammen mit sechs ausstellenden Künstlern und interessierten Besuchern über die aktuelle Ausstellung „Schmerz - Bilder vom Menschen“ zu diskutieren.

 

Erst seit 20 Jahren ein Thema

Sie habe das Thema bei der Ausschreibung erst einmal weit von sich gewiesen, berichtete Ingetraut Stein. Hinter einer zerschnittenen, blutroten Leinwand hängt trotzdem ihre Bildkollage aktueller Fotos, die von Krieg und Leiden zeugen. Für Dr. Niknafs dagegen gehört der Schmerz zum Beruf: „Obwohl er besonders in Hinsicht auf chronische Schmerz-Kranke, beispielsweise bei Migräne, erst seit 20 Jahren ein Thema geworden ist.“ Zum Glück könne die Medizin heute helfen.

Kultur, Erziehung, Psyche eines Menschen, so konnten die „Kunstcafé“ - Besucher lernen, spielen beim individuellen Schmerzempfinden ebenfalls eine Rolle. Dass Künstler und Betrachter durchaus anderer Meinung sein können, machte diesen Kultur-Treff spannend: Da weiß ein offenbar gebildeter Mann eine Menge über Kunst, zieht Vergleiche von Bosch, über Munch bis Francis Bacon und stellt Zusammenhänge zur aktuellen Schau her. Ein Künstler kontert mit der Frage, warum der dargestellte Schmerz ausschließlich als Leid und nicht auch als „wichtiger Begleiter und Wegweiser“ ambivalent dargestellt werden könne.

Eine evangelische Pfarrerin im Publikum ergänzt, dass wir heutzutage verlernt haben könnten, Verantwortung für uns selbst zu übernehmen. Das Abstumpfen durch die Medien, die täglich vom Leiden weltweit berichten und künstlerisches Schaffen als individuelle Antwort darauf stehen im Raum. Wenn dann eine engagierte Frau, die das erste Mal an einer solchen Runde teilnimmt, zu dem Schluss kommt: „Die Betrachtung dieser Ausstellung kann doch jeden Menschen bereichern.“, bleibt nur fest zu stellen, dass das „Kunstcafé“ Applaus verdient.