Auge_u_Hand03Bei der Behandlung von Schußwunden kam Fabry ein Kugelbohrer zustatten, über den er im Jahre 1590 Griffon berichtet hatte. Oberflächlich liegende Kugeln konnte man mit einem kleinen Sucher, etwa einer silbernen Sonde, leicht lokalisieren und durch eine Ätzung oder einen Einschnitt zugänglich machen. Mehr Schwierigkeiten boten die in die Tiefe führenden Schußkanäle, für die der Kugelbohrer geschaffen wurde. Man muß sich das Instrument etwa einen Fuß lang denken, also ca. 30 – 35 cm; es sollte gut poliert sein und aus Kupfer oder Messing bestehen. Das dickste Rohr wurde in den Schußkanal eingeführt; es diente als eine Art Hohlsonde, durch die das dünnere mit einem gezähnten Rand versehene Rohr bis an die Kugel herangeführt werden konnte. Dieses innere Rohr sollte die Bleikugel halten, wenn der eigentliche Bohrer durch sein Lumen vorgeschoben wurde. Das Gewinde des Bohrers mußte entgegengesetzt gerichtet sein wie die Zähnelung am dünneren der beiden Rohre, um ein Mitdrehen der Kugel zu verhindern. In verkleinerter Form diente ein prinzipiell gleich gebautes Instrument zur Entfernung weicher Fremdkörper aus dem äußeren Gehörgang. Recht eindrucksvolle Meinungen vertrat Fabry bei der Behandlung von Knochenbrüchen. Er streckte Oberschenkelbrüche, bei denen sich die Bruchenden gern aneinander vorbeischieben, mit Hilfe eines Flaschenzuges und lagerte das geschiente Bein dann in einer gut gepolsterten Holzlade, die möglichst wenig Bewegung gestattete. Bei Schädelbrüchen mit Depression von Knochenstücken öffnete er die Hautwunde breit, um genügend Überblick zu gewinnen. Er entfernte dann lose Knochensplitter und brachte das eingedrückte Stück mit einem selbst konstruierten Elevatorium wieder in die normale Lage. Bei der Behandlung angeborener Verkrümmungen und von Haltungsschäden nützten Fabry seine guten anatomischen Kenntnisse. Er wandte sie bei verschiedenen orthopädischen Problemen an, obwohl man zu seiner Zeit diesen Begriff und die ihm zugrunde liegenden Vorstellungen noch nicht kannte. Durch geschickt ausgedachte Apparate brachte er einen von Geburt an bestehenden Klumpfuß schließlich in Normalstellung. Er wußte, dass man den Fuß eines Kleinkindes unter massierenden Bewegungen redressieren kann, dass er aber, losgelassen, sofort seine ursprüngliche Form wieder annimmt. Deshalb versuchte er, die Umformung durch eine verstellbare Schiene allmählich vorzunehmen und den jeweils erreichten Zustand ständig zu fixieren. Dazu brauchte es in gleicher Weise Geduld von Seiten des Arztes wie des Patienten. Gegen Wirbelsäulen-Verkrümmung ließ er ein Wams mit einer gut angepaßten eisernen Einlage tragen. Wenn er damit auch keine Besserung erreichen konnte, so verhinderte er doch mindestens eine weitere Zunahme der Verkrümmung.Bei der Behandlung von Schußwunden kam Fabry ein Kugelbohrer zustatten, über den er im Jahre 1590 Griffon berichtet hatte. Oberflächlich liegende Kugeln konnte man mit einem kleinen Sucher, etwa einer silbernen Sonde, leicht lokalisieren und durch eine Ätzung oder einen Einschnitt zugänglich machen. Mehr Schwierigkeiten boten die in die Tiefe führenden Schußkanäle, für die der Kugelbohrer geschaffen wurde. Man muß sich das Instrument etwa einen Fuß lang denken, also ca. 30 – 35 cm; es sollte gut poliert sein und aus Kupfer oder Messing bestehen. Das dickste Rohr wurde in den Schußkanal eingeführt; es diente als eine Art Hohlsonde, durch die das dünnere mit einem gezähnten Rand versehene Rohr bis an die Kugel herangeführt werden konnte. Dieses innere Rohr sollte die Bleikugel halten, wenn der eigentliche Bohrer durch sein Lumen vorgeschoben wurde. Das Gewinde des Bohrers mußte entgegengesetzt gerichtet sein wie die Zähnelung am dünneren der beiden Rohre, um ein Mitdrehen der Kugel zu verhindern. In verkleinerter Form diente ein prinzipiell gleich gebautes Instrument zur Entfernung weicher Fremdkörper aus dem äußeren Gehörgang. Recht eindrucksvolle Meinungen vertrat Fabry bei der Behandlung von Knochenbrüchen. Er streckte Oberschenkelbrüche, bei denen sich die Bruchenden gern aneinander vorbeischieben, mit Hilfe eines Flaschenzuges und lagerte das geschiente Bein dann in einer gut gepolsterten Holzlade, die möglichst wenig Bewegung gestattete. Bei Schädelbrüchen mit Depression von Knochenstücken öffnete er die Hautwunde breit, um genügend Überblick zu gewinnen. Er entfernte dann lose Knochensplitter und brachte das eingedrückte Stück mit einem selbst konstruierten Elevatorium wieder in die normale Lage. Bei der Behandlung angeborener Verkrümmungen und von Haltungsschäden nützten Fabry seine guten anatomischen Kenntnisse. Er wandte sie bei verschiedenen orthopädischen Problemen an, obwohl man zu seiner Zeit diesen Begriff und die ihm zugrunde liegenden Vorstellungen noch nicht kannte. Durch geschickt ausgedachte Apparate brachte er einen von Geburt an bestehenden Klumpfuß schließlich in Normalstellung. Er wußte, dass man den Fuß eines Kleinkindes unter massierenden Bewegungen redressieren kann, dass er aber, losgelassen, sofort seine ursprüngliche Form wieder annimmt. Deshalb versuchte er, die Umformung durch eine verstellbare Schiene allmählich vorzunehmen und den jeweils erreichten Zustand ständig zu fixieren. Dazu brauchte es in gleicher Weise Geduld von Seiten des Arztes wie des Patienten. Gegen Wirbelsäulen-Verkrümmung ließ er ein Wams mit einer gut angepaßten eisernen Einlage tragen. Wenn er damit auch keine Besserung erreichen konnte, so verhinderte er doch mindestens eine weitere Zunahme der Verkrümmung. Mit der angeborenen Hüftgelenksverrenkung scheint sich Fabry nicht befaßt zu haben. Erstaunliche Erfolge hatte Fabry in der Augenheilkunde aufzuweisen. Gleich die erste Wahrnehmung seiner ersten Zenturie ist ein glänzendes Beispiel dafür.
 
Eine bösartige Augengeschwulst – nach Koelbing wahrscheinlich ein Melanom – nötigte Fabry zu einer Exstirpatio bulbi oculi. Interessant ist, dass er sich zuerst ein von Georg Bartisch angegebenes Messer hatte anfertigen lassen, das sich aber bei der an einem Kalbskopf vorgenommenen Probeoperation als ungeeignet erwies. So entwarf er ein eigenes Spezialinstrument, das sich bei der am 1. August 1596 durchgeführten Operation bestens bewährte. “In einer Zeit, da einer kaum zehn Schritte hätte gehen können”, war die Orbita bei sehr geringem Blutverlust ausgeräumt. Die Heilung verlief nach Wunsch und der Patient überlebte noch knapp zwei Jahre. 1625 wurde ein bernischer Bruchschneider vom Rate beauftragt, bei einem 14-jährigen Knaben die gleiche Operation auszuführen. Als Fabry von den beiden Stadtärzten gebeten wurde, den Bruchschneider darüber zu belehren, “wollte und konnte er aus christlicher Liebe zu Nutz des Kranken und den angehenden Chirurgen zu Gefallen” den beiden Ärzten ihren Wunsch nicht abschlagen. Er unterwies also den Bruchschneider am Kopf eines Toten in allen Einzelheiten über Gebrauch seines Messers, so dass dieser danach die Operation im Beisein Fabrys und Anderer mit Erfolg ausführen konnte. Ein schönes Beispiel für Fabrys Uneigennützigkeit und Kollegialität! Andere schwere Schädigungen des Sehorgans betrafen eine senkrechte Spaltung des oberen Augenlides, für die Fabry eine besondere Verbandmethode entwickelte, und die Lösung einer Verwachsung zwischen Augenlid und Bindehaut. Über Fremdkörper im Konjunktivalsack und ihre Entfernung liest man bei Fabry sehr merkwürdige Berichte, zum Beispiel wie sogenannte Krebsaugen zur Entfernung pulvriger Substanzen gedient haben und welche Fälschungen damit begangen wurden. Mit der angeborenen Hüftgelenksverrenkung scheint sich Fabry nicht befaßt zu haben. Erstaunliche Erfolge hatte Fabry in der Augenheilkunde aufzuweisen. Gleich die erste Wahrnehmung seiner ersten Zenturie ist ein glänzendes Beispiel dafür. Eine bösartige Augengeschwulst – nach Koelbing wahrscheinlich ein Melanom – nötigte Fabry zu einer Exstirpatio bulbi oculi. Interessant ist, dass er sich zuerst ein von Georg Bartisch angegebenes Messer hatte anfertigen lassen, das sich aber bei der an einem Kalbskopf vorgenommenen Probeoperation als ungeeignet erwies. So entwarf er ein eigenes Spezialinstrument, das sich bei der am 1. August 1596 durchgeführten Operation bestens bewährte. “In einer Zeit, da einer kaum zehn Schritte hätte gehen können”, war die Orbita bei sehr geringem Blutverlust ausgeräumt. Die Heilung verlief nach Wunsch und der Patient überlebte noch knapp zwei Jahre. 1625 wurde ein bernischer Bruchschneider vom Rate beauftragt, bei einem 14-jährigen Knaben die gleiche Operation auszuführen. Als Fabry von den beiden Stadtärzten gebeten wurde, den Bruchschneider darüber zu belehren, “wollte und konnte er aus christlicher Liebe zu Nutz des Kranken und den angehenden Chirurgen zu Gefallen” den beiden Ärzten ihren Wunsch nicht abschlagen. Er unterwies also den Bruchschneider am Kopf eines Toten in allen Einzelheiten über Gebrauch seines Messers, so dass dieser danach die Operation im Beisein Fabrys und Anderer mit Erfolg ausführen konnte. Ein schönes Beispiel für Fabrys Uneigennützigkeit und Kollegialität! Andere schwere Schädigungen des Sehorgans betrafen eine senkrechte Spaltung des oberen Augenlides, für die Fabry eine besondere Verbandmethode entwickelte, und die Lösung einer Verwachsung zwischen Augenlid und Bindehaut. Über Fremdkörper im Konjunktivalsack und ihre Entfernung liest man bei Fabry sehr merkwürdige Berichte, zum Beispiel wie sogenannte Krebsaugen zur Entfernung pulvriger Substanzen gedient haben und welche Fälschungen damit begangen wurden.

Geburtshilfe leisteten zu Fabrys Zeiten noch ausschließlich die Hebammen. Männliche Hilfe wurde nur in Anspruch genommen, wenn irgendwelche Behinderungen oder Zwischenfälle eintraten. Zuweilen genügte dafür schon der Rat eines erfahrenen Wundarztes, wofür Fabry ein Beispiel mitteilte. Während seines Aufenthaltes in Eisenbach im Jahre 1617 bat ihn ein Bauer um Hilfe für seine Tochter, die seit fünf Tagen im Kindbett lag. Es bestand eine Querlage, ein Arm war vorgefallen. Fabrys Rat war, die Hebamme solle den heraushängenden Arm wieder zurückschieben und den Kopf des Kindes gegen den Gebärmutterhals ziehen – eine Stunde später war die Geburt vollendet. Vielen Hebammen scheint aber die Möglichkeit einer solchen Wendung unbekannt gewesen zu sein, oder sie getrauten sich aus Mangel an Erfahrung und Unterweisung nicht, solch einen Eingriff vorzunehmen. Leider warteten sie dann jedoch meist viel zu lange, bis sie Hilfe bei einem Wundarzt suchten: So blieb diesen gewöhnlich die Aufgabe, ein totes Kind zu extrahieren, was Fabry bis 1623 schon über 40 mal ausgeführt hatte. Gegen die erbetene Publikation seiner Methode wandte er ein, dass die einzelnen Fälle von einander stark abweichen; Regeln für das Vorgehen könnten deshalb nicht aufgestellt werden. Auch wäre zu befürchten, dass sich Empiriker und Charlatane durch die Lektüre für genügend ausgebildet hielten und viel Schaden stiften würden. Besser wäre, sich durch Anschauung bei einem erfahrenen Meister zu unterrichten. Das Wesentliche ist in Fabrys vorstehendem Rat gesagt: Vorgefallenen Teile sind zurückzulagern und dann eine Wendung auf den Kopf auszuführen. Die von Paré propagierte Wendung auf die Füße hielt Fabry für ungünstiger, er brauchte sie nur ausnahmsweise.
In der theoretischen Geburtshilfe wurde zu Fabrys Zeiten die Frage diskutiert, ob sich die Schambeine unter der Geburt von einander trennen. In einem Brief vom 24. April 1607 teilt er mit, er hätte das bis dahin nicht gesehen, obwohl er zu den schwersten Geburten beigezogen worden sei. Wohl aber hielt er ein geringes Voneinanderweichen des Kreuz- und des Hüftbeines für möglich. Am 9. Mai 1627 schrieb er jedoch, die Praxis habe ihn eines anderen belehrt. Er trat nun dafür ein, dass auch Schambeine während der Geburt auseinander rücken, woraus man sieht, dass selbst große Erfahrung nicht immer vor Täuschung bewahrt.