„Nicht Krüppel – Sieger!“

Ort: Fassraum des Wilhelm-Fabry-Museums Benrather Straße 32, 40721 Hilden, Deutschland

Kategorien: Vortrag

Männlichkeitsvorstellungen und technische Rekonstruktionsversuche kriegsinvalider Körper während des Ersten Weltkriegs

Vortrag von Dr. Nils Löffelbein, Goethe-Universität Frankfurt a.M.

22.09.2016 | 19.30 - 21.00 Uhr
Eintritt: 5,00 Euro, ermäßigt 2,50 Euro

Prothesen für Kriegsinvaliden Prothesen für Kriegsinvaliden Zu den Folgen der "industriellen" Kriegsführung des Ersten Weltkriegs zählten neben den extrem hohen Gefallenenzahlen auch die Millionen von Kriegsinvaliden, die mit ihren oftmals grauenhaften Verstümmelungen bald das Straßenbild ihrer Heimatgesellschaften prägten. Im deutschen Kaiserreich geriet die Gruppe der Kriegsinvaliden bereits während des Krieges unter den Einfluss eines Fürsorgekartells aus Wissenschaftlern, Medizinern und Sozialexperten, die auf eine schnellstmögliche gesellschaftliche Wiedereingliederung drängten. Mittels der Entwicklung immer leistungsfähigerer Prothesen- und Orthopädietechnik sollte die Arbeitsfähigkeit der versehrten Veteranen wiederhergestellt werden.
Die Forschung hat zuletzt verstärkt darauf hingewiesen, dass durch die kollektive Erfahrung massenhafter Kriegsverstümmlung während des Ersten Weltkriegs nicht nur traditionelle Helden- und Opferbilder entwertet, sondern auch das gesellschaftliche Ideal von Männlichkeit und maskuliner Körperlichkeit insgesamt in Frage gestellt wurde. Im Vortrag soll gezeigt werden, dass die Technifizierung und Rationalisierung des männlichen Invalidenkörpers nicht nur dem Ziel einer Wiedereingliederung der Kriegsversehrten in das Zivil- und Erwerbsleben diente, sondern auch den Versuch darstellte, die durch die traumatische Erfahrung von Massentod und millionenfacher Versehrung ins Wanken geratene Geschlechterordnung wieder ins Lot zu bringen.

2016-09-22 19:30:00
2016-09-22 21:00:00