aus Rheinische Post vom 6.3.2017 von Sandra Grünwald

Der 85jährige Joachim Klinger konnte bei der Eröffnung seiner Ausstellung nicht dabei sein.
Wer das Wilhelm-Fabry-Museum betritt, wird von einem schlafenden Hund begrüßt. Es ist eine um 1950 entstandene Zeichnung von Lolli, dem Familienhund, den der junge Joachim Klinger auf Papier festgehalten hat. 

2017 03 05 Klinger01Foto: Michael KrambrockWeiter geht es mit biografischen Zeichnungen, wie dem Selbstporträt mit Baskenmütze, das dem Betrachter ein wenig ernst entgegenblickt. „Vielleicht ahnte Joachim Klinger da schon, dass seine berufliche Laufbahn nicht viel Zeit für seine geliebte Kunst lassen wird“, vermutet Dr.  Sandra Abend, Kuratorin der Ausstellung „Vorwiegend heiter – Werke von Joachim Klinger“, deren Eröffnung am Sonntag viele Besucher anlockte.

Es ist eine Lebensausstellung anlässlich des 85. Geburtstags des Künstlers, der – da musste Bürgermeisterin Birgit Alkenings Wikipedia korrigieren – nicht 40, sondern mehr als 45 Jahre in Hilden gelebt hat. Schon als Kind liebte er das Zeichnen und wurde in der Schule Max genannt, nach dem Leipziger Künstler Max Klinger. Doch Joachim Klinger schlug eine solide Berufslaufbahn ein, studierte Jura und war lange im Kultusministerium des Landes NordrheinWestfalen tätig. Dennoch begleitete ihn die Kunst ein Leben lang. Ob er nun vom Licht des Südens inspiriert, als Doktorand nach Rom ging oder Szenen aus dem Ministerium zeichnete. „Der Mensch steht immer im Mittelpunkt seines Schaffens“, betont Sandra Abend während der Einführung.
Foto: Olaf Staschikv.l.: Museumsleiter Dr. Wolfgang Antweiler, Bürgermeisterin Birgit Alkenings, Fotografie-Dozent Michael Ebert, Foto: Olaf StaschikSo lernte Joachim Klinger schon als Einzelkind, die Menschen zu beobachten. Vor allem auch alte Menschen. Seine Zeichnungen sind zumeist auf die Essenz reduziert, auf den Charakter, den Ausdruck. Ob er nun die Manege zum Zirkus des Lebens werden lässt oder Menschen mit ihren Tieren portraitiert, er tut es mit einem zwinkernden Auge. Neben den Karikaturen werden in der Ausstellung auch Klingers Ausflüge in die Abstraktion gezeigt, die er sehr farbenfroh anlegte.
Der Künstler, der inzwischen in Berlin lebt, konnte nicht persönlich bei der Eröffnung seiner Ausstellung sein, doch in einem von ihm verfassen Grußwort hieß es: „In den Bildern werden Sie mir begegnen … ich wünsche mir, dass Sie ab und zu ein wenig lächeln.“ Wobei Klingers Bilder nicht nur zum Lächeln, sondern auch zum Nachdenken anregen und, wie er selbst sagt „Anregungen zu fantasievollen Ausflügen geben“. Die Ausstellung „Überwiegend heiter – Werke von Joachim Klinger“ ist bis zum 23. April im WilhelmFabryMuseum zu sehen.