„Balnea - Architekturgeschichte des Bades" heißt die neue Ausstellung im Fabry-Museum Hilden. Am Sonntag wird sie eröffnet und veranschaulicht in 30 maßstabsgetreuen Modellen Bäderarchitektur des 17. bis frühen 19. Jahrhunderts.

aus Rheinische Post vom 28.03.2014 von Astrid Schoene

Die Kuratorin Ursula Quecke zeigt eines der 30 Bäder-Modelle, die in der neuen Ausstellung des Fabry-Museums präsentiert werden. RP-Foto: TinterDie Kuratorin Ursula Quecke zeigt eines der 30 Bäder-Modelle, die in der neuen Ausstellung des Fabry-Museums präsentiert werden. RP-Foto: TinterSeit der frühen Hochkultur beschäftigt sich die Menschheit mit den Themen Baden und Waschen, mit Hygiene und Gesundheitsdenken. Und durch alle Zeiten hindurch war der Bäderbau für Architekten eine reizvolle Herausforderung. Ein spannender Streifzug führt den Besucher im Fabry-Museum anhand von beeindruckenden Bäder-Modellen durch das 17. bis hin zum frühen 20. Jahrhundert.

Drei Tage vor der Eröffnung durfte die Rheinische Post schon mal einen Blick in die Ausstellung „Balnea - Architekturgeschichte des Bades" werfen. Ein wundervoller Anblick sind diese mit liebevollen Details komponierten Modelle, die auf hohen schwarzen Sockeln ruhen. Informativ und amüsant ist die Tour auf den Spuren alter Bäder, zu Luxus und Wonnegefühl. Studenten haben die 30 Modelle erschaffen und anschaulich wichtige Aspekte der Architektur verdeutlicht.

Dr. Wolfgang Antweiler und Kuratorin Dr. Ulla Quecke beschäftigen sich seit einem Jahr mit dem Projekt. Antweiler hatte die Wanderausstellung schon länger im Blick. „Als ich sie 2006 in Gladbeck sah, wusste ich - sie passt auch zu uns." Das kann die Kuratorin nur bestätigen. Sie zeigt auf den Glaskasten mit der alten Landkarte und dem wertvollen Buch des Mediziners Wilhelm Fabry. „In seinem ,Opera omnia? von 1652 hat er über seine Patienten in Schweizer Bädern berichtet." Der erste Raum gehört den Modellen herrschaftlicher Badehäuser im Park. Bei diesen Prachtbädern war es wohl neben angestrebter Gesundheit auch die Lustbarkeit, die zum Baden verlockte. Viele der Modelle sind Entwürfe, wie der Rundbau mit rundem Wasserbassin an der Champs Élysées von 1775. Ein hinreißendes Guckkastenmodell, von drei Studentinnen gestaltet, ist das Stuttgarter Maurische Bad, ein Schmuckstück von 1894. Der Betrachter träumt davon, sich in dieser orientalischen Formenwelt mit sanft beleuchteter Schwimmhalle, mit Lesesaal und Spielstätten zu vergnügen. Gegenüber weht um Café und Badehaus in Kairo auch ein Hauch von 1001Nacht. Luxuriös wirken der achteckige Pavillon im Schlosspark von Fontainebleau und das hübsche Badeschlösschen „Lazienka" bei Warschau. Lesen, Lustwandeln konnte der Gast nach Herzenslust im Badehaus im Schlosspark von Schwetzingen. Einer der wenigen Bauten, die noch heute zu besichtigen sind, ebenso die urige Pariser Grottenbäderanlage oder das zauberhafte Marmorbad in Kassel. Idealentwürfe im 18. Jahrhundert faszinieren. Daneben fallen exotische Gartenbäder ins Auge - Pavillons im Pagoden- und ägyptischen Stil. Man schmunzelt über die Badeschaluppen, kleine Segelschiffe, die die Damen von Welt ins Wasser beförderten. Und über die Badekarren, Umkleidekabinen mit Pferd, auf denen die Badelustigen ins Wasser rollten.

Am Ende erwartet den Besucher die Schönheit alter Seebäder, wie Swinemünde oder Heiligendamm, dessen edle Architektur bis heute erhalten ist. Dazu gehören auch das berühmte Karlsbad und der originelle Rakoczybrunnen aus Bad Kissingen, ein Pavillon, eine gusseiserne filigrane Schönheit und ein Novum in der damaligen Bäderkultur. Zeitgleich zu dieser Ausstellung sind Badeschiff- und Waschschiff-Modelle im Hildorado und im Foyer der Stadtwerke zu besichtigen.