Die Besucher der Ausstellung „Die Dosis macht das Gift" wählten die Skulptur von Alexia Petertil im Fabry-Museum zu ihrem Favoriten.
aus Rheinische Post vom 17.03.2014 von Dominique Schroller

Die beiden Gestalten in Schutzanzügen mit Gasmasken über dem Gesicht treten dem Betrachter aus einem raum- und zeitlosen Weiß entgegen. Sie scheinen losgelöst von der Katastrophe und stehen gleichzeitig stellvertretend dafür. Die hohe Symbolkraft des Werks von Masami Takeuchi hat die Jury überzeugt, die Künstlerin zur Finissage der Ausstellung „Die Dosis macht das Gift" im Wilhelm-Fabry-Museum mit dem ersten Preis auszuzeichnen.

2014-03-web finissageMasami Takeuchi, Silke Parras, Jochen Görlach, Alexia Petertil und Barbara Joliet (von links nach rechts) Foto: Olaf StaschikDie Arbeit mit dem Titel Fukushima 6 stehe für die humane Katastrophe, hieß es zur Begründung. Die Künstlerin hat bewusst auf Fliesen gemalt. „Das Material wird in Gebäuden verwendet, die eigentlich zum Schutz des Menschen dienen. Bereits die Römer haben Kacheln verwendet. Damit möchte ich zeigen, wie lange dieses Ereignis noch in die Zukunft wirkt", sagte Masami Takeuchi. Sie möchte, das Fukushima nicht in Vergessenheit gerät. „Deshalb freue ich mich sehr über diese Auszeichnung."

Eine gelungene Premiere war die Ausstellung auch für Alexia Petertil. Die Künstlerin hatte ihre Werke bisher nur in der Schweiz gezeigt und bekam bei ihrem Debüt in Deutschland gleich den Publikumspreis. Mehrheitlich hatten die Ausstellungsbesucher ihr Werk „Zuckerpuppe" zu ihrem Favoriten gewählt. „Das hat mich ebenso beeindruckt wie überrascht", sagte die Künstlerin. Sie hatte den Torso einer Frau in eine Collage aus Verpackungen zuckersüßer Verführungen gehüllt. „Eigentlich wollte ich als Raucherin etwas zu diesem Thema machen, doch dann habe ich meinen Partner beobachtet, wie er seine Süßigkeiten nach Farben sortiert hat und habe mich anders entschieden", verriet die Preisträgerin.

Mit seinem ungewöhnlichen Ölgemälde „Hidden" durfte sich Jochen Görlach über den zweiten Preis freuen. Er lässt aus einer samtigen Schwärze eine junge Frau hervortreten, deren Gesicht ein Mundschutz halb verdeckt. Die Rätselhaftigkeit des Bildes und die ausdrucksstaken Züge der gezeigten Figur nannte die Jury als Grund für ihre Entscheidung. „Wie der Titel verrät, habe ich das Thema eher unterschwellig dargestellt. Der Betrachter muss sich damit beschäftigen und überlegen, welches Gift da wohl gemeint ist", sagte der Künstler.

Sein Werk stieß nicht nur in der Jury auf Bewunderung. „Es hat mich so angesprochen, dass ich es gekauft habe", sagte Margret Kohtes-Ingerfeld. „Es ist genial, wie er die altmeisterliche Technik einsetzt, um etwas Modernes darzustellen. Es fasziniert mich, dass es vieles unausgesprochen lässt."

Aufgrund der hohen Qualität der eingereichten Arbeiten, vergab die Jury den dritten Preis zweimal. Einmal zeichnete sie Barbara Joliet für ihr „Dörrfleisch" aus. Die Künstlerin hatte aus rohem Schinken eine Figur geformt, ihr eine Sonnenbrille aufgesetzt und sie in einem Liegestuhl platziert. Sie führt dem Betrachter damit die Sucht nach dem Bräunungsfaktor und die darin schlummernde Gefahr vor Augen.

Drei Muskatnüsse im luftleeren Raum und eine tote Wühlmaus wählte Silke Parras, um den schmalen Grad zwischen Genuss und Gift deutlich zu machen. „Denn genau drei Muskatnüsse sind die Dosis, die für den Menschen lebensgefährlich ist", sagte Wolfgang Gettmann in seiner Laudatio.