Da wurde gehaucht, gekrächzt, geflötet, gebrüllt und fabuliert - der Karneval der Tiere, ein Literaturkonzert der Extraklasse, hielt Einzug ins Fabry-Museum. Drei Erzkomödianten - Hanna Seiffert, Dieter Prochnow und Peter Welk - dazu der begnadete Musikus Georg Corman nutzten ihren künstlerischen Atem, um allzu Menschliches im Tierischen zu spiegeln.

aus Rheinische Post vom 21.02.2015 von Astrid Schoene

 

In Faschingslaune, ein Glas Wein in der Hand, saß ein beschwingtes Publikum im Fassraum - in Erwartung des närrischen Reigens - mit Camille Saint-Saens zoologischen Fantasien und sprachlichen Leckerbissen aus Fabel und Lyrik. Autor und Schauspieler Peter Welk umgarnte sein Publikum mit Schnurrigem: der Rahmengeschichte vom wackeren Otto, dem Kölner. In das domlose Hilden hat es den armen Burschen verschlagen. Und da das literarische Vergnügen an diesem Abend mit hinreißenden Klängen eine Liaison einging, wurde schon Viech Nummer eins, Ottos Mops, fein bluesig untermalt. Auftakt für einen wahrhaft brillanten Schlagabtausch des Schauspieler-Terzetts, das die Zuhörer in verrückte Tierwelten entführte. Was für eine hinreißende Mimin Hanna Seiffert ist - die Grande Dame des Düsseldorfer Schauspielhauses. Wie sie so melodisch feinsinnig Morgensterns Möwe Emma besingt, wie sie der greisen Schildkröte, der träumerischen Eintagsfliege, dem Wiesel oder den reiselustigen Ameisen aus Altona mit dunkler Stimme Leben einhaucht - kapriziös, tiefgründig, humorvoll, charmant und voller Herzenswärme.

Dieter Prochnow sekundiert, entzückt mit baritonalen Facetten in Thurbers Fabeln vom listigen Adler oder vom großspurigen Elefanten, den eine Termite bezwang. Augenzwinkernd trumpft Prochnow bei Esel und Seepferd auf und duettiert mit Ehefrau im köstlichen Besingen der, nach Zimt und Nelken riechenden Hochseekuh.

Das Publikum juchzt über Vertrautes, kichert, schmunzelt, als Peter Welk die bitterböse Mär vom weisen, nicht unfehlbaren Uhu und das skurrile Interview mit einem Lemming mit fiesen kleinen Pointen serviert. Klatscht entfesselt zum flotten Würmer-Tango und beim aberwitzigen Kakerlaken-Zungenbrecher. Daneben lyrisches Innehalten bei Ringelnatzens unsterblichem kleinen Reh.

Zum Knüller wird natürlich Kreislers schwarzhumoriges „Gemmer Taubenvergiften", mit dem Peter Welk im herrlichen Wiener Schmäh das Publikum von den Sitzen reißt. Das tut es auch dank Georg Corman, dem Mann am Klavier! Ein Klangtüftler, der die tierische Suite Saint-Saens neu arrangierte und in virtuosen Improvisationen das tierische Getümmel auf schwarze und weiße Tasten bannt. Ein Wirbeln in swingenden Passagen, in leuchtenden Tango-Rhythmen, in verträumten, rauen und federleichten Klangtupfern. Bravour in Kehlen und am Piano - das Publikum bedankte sich mit rauschendem Beifall.