Historische Lektüre für das Museum
Ein neues antiquarisches Buch hat der Museums- und Heimatverein Hilden gestern dem Wilhelm-Fabry-Museum übergeben: ein Werk aus dem Jahre 1712. Die Sport- und Kulturstiftung der Stadt hat den Ankauf finanziert.

aus Rheinische Post vom 04.09.2013 von Uli Schmidt

Nicole Anfang mit dem Buch „Hand-Griffe der Wund-Artzney nebst dem Amt und Pflicht der Weh-Mütter...“ Der medizinhistorische Bücherschatz ergänzt die Sammlung des Hildener Museums. Foto: Olaf StaschikNicole Anfang mit dem Buch „Hand-Griffe der Wund-Artzney nebst dem Amt und Pflicht der Weh-Mütter...“ Der medizinhistorische Bücherschatz ergänzt die Sammlung des Hildener Museums. Foto: Olaf StaschikDas neue „Schätzchen", das Dr. Wolfgang Antweiler gestern vorsichtig in weiß-behandschuhten Händen hielt, ist fast 300 Jahre alt, fast zehn Zentimeter dick und für sein Alter in einem erfreulich guten Zustand. Die Rede ist von einem neuen - antiquarischen! - Buch, das der Museums-und Heimatvereins Hilden zusammen mit der Sport- und Kulturstiftung der Stadt im Fassraum des Fabry-Museums präsentieren konnte.
Ein neues Geschenk, dass in diesem Fall zu 100 Prozent durch die Stiftung finanziert wurde. Nun sind 1200 Euro kein Pappenstiel für vergilbtes, gebundenes Papier, aber: „ein weiterer Mosaikstein in unserer Fabry-Sammlung", so der Museumsleiter. Der lange Buch-Titel „Hand-Griffe der Wund-Artzney nebst dem Amt und Pflicht der Weh-Mütter..." klingt zunächst nach verstaubtem Medizinerwissen. Zangen und Scheren werden abgebildet, aber auch Gebärstühle, die offensichtlich auch schon damals Frauen bei der Geburt helfen sollten. Immerhin war der Autor des Lehrbuches, Cornelius Solingen aus Holland ein Star-Chirurg seiner Zeit. Zwar operierte er erst 100 Jahre nach Wilhelm Fabry, brachte aber gleichermaßen seine Erkenntnisse zu Papier. Im Jahr 1712 erschien seine umfangreiche Schrift, die ursprünglich in holländischer Sprache verfasst war, in der zweiten Auflage und wurde von Tobias Peucer ins Deutsche übersetzt. „Das Besondere an diesem Exemplar sind nicht nur die kaum verfärbten Seiten, sondern die vollständig erhaltenen Tafeln", freute sich gestern Stadtarchivar Antweiler. Jahrelange gute Kontakte zu einem auf medizinische Raritäten spezialisierten Antiquitätenhändler ermöglichten den Kauf. „Derartige Schätze werden meistens katalogisiert und dann auf Versteigerungen angeboten. Danach verschwinden sie leider oft in Privatsammlungen."
Jetzt landet der wertvolle „alte Schinken" dagegen in der Spezialsammlung medizinhistorischer Bücher, über die Bernd Morgner, der stellvertretende Museumsleiter, wacht. Rund 50 seltene, sehr wertvolle Bücher gehören mittlerweile zum Schatz des Fabry-Museums. Sie werden in speziellen Boxen verwahrt, die - säurefrei und etikettiert - eine lange Lesezeit garantieren sollen. Was für Laien womöglich zu akademisch (und teuer) erscheinen mag, ist nach Meinung der Kulturbewahrer für Hildens Fabry-Museum ein echter Gewinn. „Wir haben als Verein in diesem Jahr bereits ein Buch finanziert. Für eine zweite Anschaffung dieser Art hätte das Geld nicht gereicht", sagt Nicole Anfang.
Dafür sprangen jetzt Bürgermeister Horst Thiele und Kämmerer Heinrich Klausgrete als Vertreter der städtischen Stiftung ein. Es gibt nämlich mittlerweile viele zukunftsweisende Kontakte des Museums. Nicht nur zur Düsseldorfer Universität, die das Material im Fabry-Jahr komplett digital archivierte. Forscher der medizinischen Fakultät München arbeiten mittlerweile an Erkenntnissen, die Hildens bekanntester Sohn schon vor vier Jahrhunderten hatte. Spätestens 2014 dürfen sich, so war jetzt im Museum zu hören, Hildens Bürger wieder an der klassischen medizin-historischen Sammlung - plus neuer Schenkung - erfreuen.